DLV Qualitätssiegel - Lauftreff Dernau

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21. Int. Rotweinwanderweg-Volkslauf in Dernau

am 09.06.2002
von H. Johannes, 10.06.2002

DERNAU (Rheinland-Pfalz) - Irgendwo hatte ich die Ausschreibung zu diesem Lauf eingesammelt. "Rotweinwanderweg", das hörte sich beschaulich an und überhaupt: "Dernau", wo liegt denn das?

Laut Routenplaner lag dieser Ort zwar in Rheinland-Pfalz, allerdings nur etwa 90 Kilometer von Düsseldorf entfernt. Warum also nicht? Auf der Homepage des Vereins hatte ich noch letzte Informationen gesucht. Auf der Ergebnisliste aus 2001 tauchten etwa 200 Läufer auf, ein überschaubares Feld also. Der Start sollte bereits um 9:00 Uhr erfolgen. Also mitten in der Nacht zum Sonntag aufgestanden und auf an die Ahr. Lieber etwas früher losfahren. Nicht ganz eine Stunde dauerte die Fahrt nach Dernau. Bereits bei der Überquerung der letzten Anhöhe, bevor es hinab ins Ahrtal ging, hatte man einen grossartigen Blick hinunter nach Dernau mit samt den umliegenden Weinbergen. Das Wetter spielte mit, es sollte ein warmer und teilweise auch sonniger Tag werden.

Die Parkplatzsuche war etwa eine Stunde vor dem Start noch kein Problem, die Startnummerausgabe in der Schule ebenso wenig. Eine schöne und ruhige Atmosphäre herrschte hier, mal etwas anderes nach Marathonläufen mit vielen tausend Startern. Laut Streckenbeschreibung sollte nach etwa 2,5 km durch den Ort bereits das steilste Stück der Strecke erfolgen: 50 Höhenmeter auf einer Länge von 500 Metern. Na und?

Ich hatte Monschau, Nideggen-Schmidt, die Sengbachtalsperre und den Nürburgring überlebt. 50 Meter: Lächerlich! Der Rat einiger "Rotweinwanderweg"-Erfahrener, man solle am Anfang lieber etwas haushalten mit seinen Kräften, prallte an mir ab. Nach den guten Leistungen bei den letzten Halbmarathon-Läufen konnte mich auch so ein lächerlicher Anstieg nicht aufhalten. Punkt 9:00 Uhr erfolgte der Startschuss. Die Läufer schlängelten sich durch den Ort, danach führte der Weg in einem grossen Bogen durch ein Feld mit Weinreben. Schon war der bereits erwähnte Anstieg zu erkennen und, puh!, wo sollte der denn enden? Und das sollten nur 50 Höhenmeter sein? Da musste sich jemand verrechnet haben. Na ja, noch war ja etwas Zeit bis dorthin.

Dann liess es sich nicht mehr aufschieben. Mit Anlauf auf den Weinberg. Die erste Kurve. Puh, war das steil. Die zweite Kurve. Und nach der dritten dann der Gedanke: Bin ich denn verrückt? Auf so etwas war ich an dem Morgen irgendwie nicht eingerichtet. Also wurde die erste Gehpause nach drei (!!!, in Worten: DREI) Kilometern eingeschoben. Eine bisher einigartige Leistung! Nach der vierten Kurve liess zwar die Steigung etwas nach, dafür war verlängerte sich der Anstieg um einige hundert Meter. Und warm wurde es am Berg auch. So quälte sich die Läuferschar den Berg hoch. Es sollte ja das steilste Stück der Strecke sein. Danach würde ich dann ganz locker ins Ziel rollen. Entschädigt wurde man durch einen grossartigen Ausblick in das Ahrtal. Ohne den Schweiss in den Augen hätte ich ihn sicherlich geniessen können.

Die Strecke führte im Anschluss durch den Weinberg, ständig mit leichten Gefällen oder Steigungen. Danach folgte ein Abschnitt der die Beschreibung "Wanderweg" wirklich verdient hatte. Kaum einen Meter breit und äusserst steinig ging es einige hundert Meter durch ein Waldstück über einen Trampelpfad, links der Berg, rechts ein Abhang. Im Gänsemarsch wurde hier gelaufen oder gesprungen. Anschliessend entliess uns der Wald wieder auf einen asphaltierten Feldweg durch die Weinberge. Bis KM 8 ging es jetzt beinahe ständig bergauf, mal mehr und mal weniger steil. Das zehrte in der prallen Sonne immens an den Kräften. Nach KM 8 erfolgte dann die Streckentrennung der 20-km- von der 10-km-Runde. Die 20er wurden links über Wald- und Feldwege auf eine weitere 10.000-Meter-Runde geschickt. Der Bodenbelag hatte auf diesem Stück alles zu bieten: Steine, Matsch, Gras, Schotter und Asphalt. Ebenso zeigte sich die Landschaft so abwechslungsreich wie irgend möglich. Zudem ging es weiterhin ständig bergauf oder bergab, allerdings gemässigter als zuvor. Läuferherz, was wünschst du mehr? Für Verpflegung wurde regelmässig gesorgt, diese war bei der Qualität der Strecke und des Wetters auch dringend notwendig.

Nach einer grossen Runde abseits der Weinberge traf man dann etwa bei KM 15,5 wieder auf den Rotweinwanderweg und musste den Abschnitt bis KM 18 (Ja, genau das Stück wo es ständig bergauf ging) erneut bewältigen. Ich bekenne: Gehpausen hatte ich zwischenzeitlich einige eingelegt. So konnte ich wenigstens den grossartigen Ausblick ausreichend geniessen. Nach KM 18 führte der Kurs dann etwa 1.500 Meter steil bergab. Wer denkt, das wäre eine grosse Erleichterung gewesen, tippt daneben. Ein derart langer Abschnitt fordert von Muskeln und Gelenken noch einmal das äusserste. Die letzten 500 Meter wurden, tatsächlich auf flacher Strecke, durch den Ort bis zum Ziel gelaufen.

Ich möchte diese Veranstaltung einmal mit den bereits erwähnten Naturläufen vergleichen. Nach meiner Meinung handelt es sich bei diesem Lauf um die schönste Strecke, die ich jemals gelaufen bin. Das liegt primär an zwei Dingen: Dernau bietet über zehn Kilometer einen phantastischen Ausblick und auf den restlichen zehn eine konkurrenzlos abwechslungsreiche Streckenführung. Im Gegensatz zu Nideggen-Schmidt, wo die Runde komplett zweifach durchlaufen werden muss, wiederholt sich hier lediglich ein schöner Abschnitt von 2,5 km. An der Sengbachtalsperre fehlt durch den dichten Baumbestand der Ausblick und in Monschau wird der Kurs immer wieder durch Abschnitte durch Ortschaften oder über Strassen unterbrochen. Anstrengender habe ich lediglich den Nürburgringlauf empfunden. In Dernau läuft man tatsächlich ständig auf unebener Strecke und auch schwierigem Untergrund.

Mein Fazit: Ein Lauf, den, wenn man eine Herausforderung sucht und eine wunderschöne Strecke zu schätzen weiss, unbedingt einmal besuchen sollte.

 
-- Copyright © 2003 by Markus Bauer --